Die Geschichte von Papier fasziniert.

Eigentlich müsste man meinen, dass Papierherstellungsverfahren auf der Welt rasch Verbreitung fanden. Doch es sollte 1000 Jahre dauern, bis diese Fertigkeiten von Ost nach West gelangten.

Im Westen betrachtet man Papier im Allgemeinen als gewöhnliches, wenngleich wichtiges Verbrauchsmaterial. Im Osten dagegen zählte Papier einst zu den kostbarsten Materialien. Papier kam zuerst in China auf, wo es gegen Ende des 1. Jahrhunderts in der  Han-Dynastie am Hofe Kaiser Ho Tis gefertigt wurde. Tsai Lun, der für die kaiserliche Bibliothek zuständige Hofbeamte, suchte nach einer Aufbewahrungsform für Informationen, die optimalere Möglichkeiten bot als Bambus und Seide, die man damals zu diesem Zwecke nutzte. Jahr um Jahr arbeitete er mit Handwerkern an der Weiterentwicklung von Verfahren, derer man sich zuvor für die Herstellung von Stoffen und Verpackungen bedient hatte. Beim Experimentieren mit allerlei Material stieß er auf die Rinde des Maulbeerbaums und fand heraus, dass sich diese als Ausgangsstoff für Papierfasern am besten eignete. Daraus ließ sich ein glatter, biegsamer Bogen herstellen – der Vorläufer des heutigen Schreibpapiers.

500 Jahre später brachte ein buddhistischer Priester aus Korea Papier in Form heiliger Texte nach Japan. Ursprünglich nutzte man Papier für religiöse Schriften, doch schon bald stieg die Nachfrage enorm, und das Material stand zunehmend für finanziellen, intellektuellen und geistigen Reichtum. Schließlich verehrte man das Papier selbst wie auch die Papierherstellung, die – ähnlich der Zeremonie des Teezubereitens – als Kunst angesehen wurde. Die Hochachtung, die Japaner Papier entgegenbringen, mag auch erklären, warum sie es wie kein anderes Volk verstanden haben, sein Anwendungspotenzial auszunutzen. Japaner stellen aus diesem Material schon seit langem Dinge wie Kleidung, Besteck, Innenausstattungen und Spielzeug her.

Im 8. Jahrhundert verbreitete sich die Papierherstellung von Japan über Zentralasien nach Bagdad und von dort weiter nach Damaskus. Doch erst im 11. Jahrhundert gelangte diese Kunst nach Spanien, und es mussten – so unglaublich es klingt – noch weitere 500 Jahre vergehen, bis man auch im übrigen Europa Papier herzustellen verstand. In Russland bzw. in den Vereinigten Staaten geschah das nicht vor Ende des 17. Jahrhunderts.

Papier ist einfach unschlagbar. Man kann es beschreiben und bedrucken, man kann darauf zeichnen und malen, man kann es schneiden und falzen, man kann es formen – und das ist längst nicht alles.

Denkt man einmal darüber nach, so kommt Papier fast überall im Alltag vor – egal, ob zu Hause, am Arbeitsplatz oder bei Spiel und Spaß. In der eher prosaischen Toilettenpapierrolle, in Papiertaschentüchern, in der Zeitung, die wir täglich lesen. in den Büromaterialien unseres angeblich papierlosen Büros, im Einwickelpapier und nicht zuletzt im Geld, dessen wir uns beim Kauf all dieser Dinge bedienen. Alles spricht dafür, dass Papier uns noch eine Weile erhalten bleibt und das in stetig neuer Aufmachung.  Offensichtlich ist Papier ein so fester Bestandteil unseres Lebens wie unserer Kultur, dass wir wohl nie auf seine Anwendung und Entwicklung werden verzichten können. Dafür genießen wir es viel zu sehr  – sein Aussehen, seine taktilen Eigenschaften, ja selbst den Klang, den es erzeugt, sowie die schönen Dinge, die daraus entstehen.

Nicht erst seit heute spielen und experimentieren Designer mit Papier, schätzen seine Eigenschaften und wissen um seine Bedeutung.  Mehr und mehr interessieren sich Designer dafür, was sich mit Papier so alles anstellen lässt. Sie studieren alte Techniken, entwickeln neue und schaffen dabei Werke, die von Schönheit ebenso wie vom Ausdruck der eigenen Persönlichkeit zeugen. 

 

 

 

Quelle: “Mehr Papier Design” von Nancy Williams.